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Schatten auf dem Boden

Tools & Tipps für die (Bau-)Grundstückssuche

Give me the ground
I followed fires
Toward the sound
Cold upon the mountain
To which I’m bound
To which I’m bound

(I Followed Fires, Matthew and the Atlas)

Mit dem Rauchen aufzuhören sei ganz einfach – er habe es schon über Hundert mal gemacht, sagte einmal ein Klugscheißer Mark Twain. Ein passendes (Bau-)Grundstück für sein Heim zu finden ist ähnlich einfach. Man findet unzählige Angebote – das Problem dabei: Die besten von ihnen sind immer dort, wo man sie nicht brauchen kann. Das gelobte Land ist immer dort wo man selber nicht ist.

Als gewöhnlicher Arbeitnehmer muss man zwischen Pest und Cholera wählen: Entweder bezahlt man mehr für den Grund und Boden, auf dem man baut bzw. wohnt, oder man bezahlt für den Sprit, den man auf dem Weg zur Arbeit verbrennt. Der Wohnraum in der nähe der Arbeitsstätte ist nämlich selten erschwinglich. Vieles spricht allerdings mehr dafür das Geld eher in das Grundstück zu investieren, als den eingesparten Betrag (für ein günstigeres Stück Land fernab auf dem Lande) an ARAL und Shell abzugeben und seine kostbare Zeit auf der täglichen Zwei-Stunden-Fahrt zur Arbeit zu vergeuden.

Online-Tools

Erfreulicherweise liefert uns – „Digital-Natives“ – das Internet zahlreiche, kostenlose Werkzeuge, um die Suche nach der passenden Lokation zu erleichtern. Die einzelnen Gemeinden stehen im natürlichen Wettbewerb, um seine Neu-Bürger und Einwohner. Das eine Dorf bietet mehrere niedergelassene Ärzte – die Klein-Stadt neben an dagegen wartet mit Kindergarten und Supermarkt auf. Wenn man weiß, worauf es einem mehr ankommt, kann die Auswahl sinnvoll vorab eingeschränkt werden. Dem Einem mag lediglich ein schneller DSL-Anschluss genügen, dem Anderen sind Kinderbetreuung vor Ort unbezahlbare Pluspunkte.

Amenity Editor for OpenStreetMap

Der „Amenity Editor for OpenStreetMap“ ist ein Karten-Übersichts-Tool (Community-gepflegt) für öffentliche Einrichtungen, das auf dem frei-verfügbaren OpenStreetMap-Kartenbestand/Datenbestand zurückgreift. Mit farbigen Symbolen und Piktogrammen werden wichtige Punkte in einem Ort übersichtlich dargestellt. Die Auswah der angezeigten Symbole kann frei (von Apotheke bis Zahnarzt) eingestellt bzw. gefiltert werden.

ImmobilienScout24-Karte

ImmobilienScout24.de bietet eine ähnliche, interaktiv steuerbare Übersichtskarte mit den wichtigsten Einrichtungen (Schulen, Einkaufsmöglichkeiten) von beliebigen Orten.

Geo-Informationsportale

Wir in Rheinland-Pfalz haben Glück. Unser Bundesland bietet ein digitales Portal mit überwiegend kostenlosen Informationen zu topografischen Details aller Ortschaften. Liegenschaftskarten kann man genauso einsehen, wie Kataster- oder Luftbildkarten, Bodenrichtwerte als Karten-Overlay oder sogar vereinzelte Bebauungspläne sowie Flächennutzungspläne ausgewählter, auf diesem Gebiet fortschrittlicher Gemeinden. Die Luftbildaufnahmen sind zum Teil oft aktueller als die bekannten Angebote wie „Google Maps“ oder „Bing Karten“! Bietet euer Bundesland auch so-etwas an? Schaut gleich mal nach!

Baulücken-Verzeichnis

Manche Städte und Kommunen bieten eine Baulücken-Karte (z. B. die Gemeinde Eich am Rhein) mit noch unbebauten Grundstücken. Über die Mitarbeiter der Verwaltung lässt sich bei vorhandener Interesse der Kontakt zu den Grundbesitzern herstellen, da die direkte Ermittlung der Besitzverhältnisse aus Datenschutzgründen nicht möglich ist. Also: Einfach mal nachfragen – es kostet nichts!

Breitband-Atlas

Eine schneller Zugang zu den digitalen Netzen ist heute zu Tage ein vitaler Bestandteil des Täglichen Lebens. Wie haben die Kinder früher eigentlich Hausaufgaben ohne Wikipedia gemacht?
Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt freundlicherweise eine interaktive Kartenansicht, die die Verbreitung von schnellen Internetzugängen in Deutschland anzeigt. Einzelne Kartenausschnitte lassen sich nach Bundesland getrennt sogar als PDF-File herunterladen und somit „offline“ nutzen… 😉 Hat der Nachbarort eine bessere Telekommunikationsanbindung, kann das durchaus ausschlaggebend für die Kaufentscheidung sein.

Offline-Mittel

Wir vergessen häufig wie es ist, ohne ständig mit allem und der Welt verbunden zu sein und die Dinge seines Bedarfs nicht zu „ergooglen“. Das Internet hat noch längst nicht jeden und alles für sich vereinnahmt. Zu den wichtigsten Mitteln bei der Grundstücks-Suche gehören immer noch die klassischen Offline-Kontakte. Mit „Vitamin-B“ respektive persönlichen Beziehungen kommt man nicht selten auch schnell ans Ziel. Viellicht hat ja der Schwager etwas gehört oder der Arbeitskollege kennt noch eine ältere Dame, die ihr Haus samt Grundstück veräußern möchte.

Das gute alte Amtsblatt mit den öffentlichen Mitteilungen der Kommunen sowie die Orts-Ratssitzungsprotokolle liefern manchmal wertvolle Hinweise zu Grundstücks-Umlage-Verfahren oder Verabschiedung von konkreten Bebauungsplänen für Neubaugebiete inklusive Ansprechpartner.

Auf keinen Fall unterschätzen sollte man die Print-Medien. Nicht nur die älteren Jahrgänge unter uns teilen sich dort mit und suchen auch aktiv nach Interessenten.

Tipp

Hilfreich kann es sein auch nach bebauten Objekten zu fragen – in Einzelfällen kann der Abriss + Neubau lohnender sein als der Aufbau auf der grünen Wiese. Eine Überlegung wert, oder?

Was gibt es noch: Ach ja: Immobilien-Makler! Ohne den Leuten nahe treten zu wollen – aber der Beruf hat noch weniger Daseins-Berechtigung als die eines „Wirtschafts-Weisen“ oder eines Aktien-Analysten. In der Regel findet man kaum einen, der bereit ist Kauf-Gesuche zu übernehmen – die meisten Provisionen kann man eben eher mit dem Verkauf einstreichen. Das Geld an dieser Stelle also lieber einsparen und doch besser in ein Bodengutachten investieren. In diesem Sinne: Geht raus und macht euch das Land untertan!

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