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Cut Wire

Netzwerk-Verkabelung: Von Dummies für Dummies

I’m out here on a wire
And they’re cutting down the nets
No one makes me feel the way
Feel the way you do
No one else could make me say
Say these things to you

Wild Love, Kenny Wayne Shepherd

Beim Thema Netzwerkverkabelung habe ich anfangs auch gedacht:

„Kann nicht so schwierig sein – legst die Kabel rein, feddisch!“

Nun ja – wie meistens im Leben, steckt auch bei dieser Sache der Teufel im Detail.

Keiner von uns ist ausgebildeter Rechenzentrum-Techniker/Netzwerk-Administrator. Wir haben laienhaft, aber dennoch mit voller Sorgfalt diese Informationen zusammengetragen.
Feedback ist wie immer willkommen!

Damit ihr nicht lange die relevanten Dinge, die es zu beachten gilt, lange einzeln zusammen suchen müsst – hier unsere kleine, bescheidene Übersicht der wichtigsten Punkte:

Topologie

Ein typisches, drahtgebundenes Heimnetzwerk (LAN = Local Area Network) wird in der Regel in Stern-Form verlegt. Andere Arten der Verlegung benötigen häufig aktive (strom-betriebene) Komponenten (Hubs/Switches), die den Verkehr über eine einzige Leitung regeln.
Stern-Verkabelung verzichtet auf diese zusätzlichen Komponenten, die häufig die Komplexität steigern und nicht gerade zur Gesamtperformance beitragen.

Fazit: Alle Netzwerkleitungen am Besten sternförmig zentral in einem Raum zusammen laufen lassen.

Welche Leitung?

Verlege-Leitung vs. Patch-Kabel

Wichtig: Bei der Netzwerkinstallation werden zwei verschiedene Kabel-Arten unterschieden.
Sogenannte „Verlegegeleitungen“ (auch bekannt als „Installations-Leitungen“) verbinden Räumlichkeiten/Räume über weite Strecken. Diese Netzwerkkabel weisen starre Adern auf und können NICHT auf auf einen üblichen Netzwerk-Stecker (RJ-45) aufgesetzt („gecripmt“) werden!

Patch-Kabel verbinden einzelne Geräte mit Verbindungsdosen oder anderen Geräten über kürzere Strecken. Diese sind i. d. R. bereits fertig konfektioniert in verschiedenen Farben/Längen erhältlich. Können aber auch aufgrund der flexiblen Adern (Litzen) auch bei Bedarf auf Wunschlänge mit passenden Steckern gecrimpt werden.

Cat 5 vs. Cat 6 vs. Cat 7

Heutzutage verwendete Leitungen, sog. Twisted-Pair-Kabel werden mit „Cat X“ gelabelt. Die jeweilige Ziffer steht für einen normierten Standard und beschreibt die Leistungsfähigkeit der Leitung. Je höher, desto besser.

MHz-Angaben und Schirmung

Die MHz-Angaben beschreiben die theoretisch mögliche maximale Übertragungsrate, für die die Leitung ausgelegt ist. Cat 7 z. B. ist für 600 MHz ausgelegt/spezifiziert.
Heutzutage (2016) gibt es allerdings kaum Hardware, das diese Leistung ausnutzen kann. Cat 7-Leitung mit mehr als 1000 MHz zu bewerben und zu verkaufen ist daher als reiner Marketing-Gag zu bewerten.

Viel bedeutender ist die Schirmung, die ein Cat 7-Kabel ggü. den niedrigeren Standards bieten kann.
Achtet dabei auf:

  • S/STP = screened shielded twisted pair (Drahtgeflecht als Paarschirm und als Gesamtschirm) bzw.
  • F/STP = foiled shielded twisted pair (Drahtgeflecht als Paarschirm und Folie als Gesamtschirm)

Stecker

Wenn man sich demnach für Cat 7-Leitung entscheidet, braucht man eigentlich notwendigerweise Cat 7-Stecker, um im Prinzip vollends kompatibel mit der Norm zu sein.
Zertifizierte Cat 7-Stecker (TERA) sind derzeit kaum verbreitet und der Praxis (noch) wenig relevant. Der „alte“ RJ-45-Stecker (max. Cat 6-fähig) wird immer-noch am häufigsten verwendet und lässt sich auch mit einer Cat-7-Leitung kombinieren.

Einzelkabel (Simplex) vs. Doppelkabel (Duplex)

Ein Duplex-Kabel besteht aus zwei miteinander verbundenen Einzelkabeln. Ob Einzel- oder doch Doppel-Kabel besser ist: Da streiten sich die Geister.
Viele meinen Duplex wäre schwieriger einzuziehen, da etwas starrer – Andere halten den ersparten Arbeitsaufwand (zwei Leitungen in einem Zug) bei entsprechend großem Leerrohr dagegen.

Duplex-Twisted-Pair-Leitung

Hologenfrei?

Bei halogenfreien Kabeln/Leitungen werden im Brandfall weniger schädliche bzw. korrosive Gase freigesetzt, die sowohl Mensch wie Material gleichermaßen gefährden.
Wenn das für euch wichtig ist: Achtet auf Hologen-Freiheit – und den damit verbundenen kleinen Preisaufschlag.

Installationsrohr

Datenleitungen wie ein Netzwerkkabel sind am Besten im Leerrohr/Installationsrohr aufgehoben. Diese Rohre schützen die Leitungen vor äußeren Einflüssen (Quetschungen, Schläge, etc.) und ermöglichen u. a. den nachträglichen Austausch der Leitungen.

Die Leerrohre haben diverse Größen sowie Qualitätsunterschiede. Um den Leitungen genügend Schutz zu bieten, sollte man auf eine ausreichende Druckfestigkeit des Rohrs achten: Mit der mittleren Druckfestigkeit von ca. 750 N ist man bei einer üblichen Einfamilienhaus-Installation auf der sichern Seite.

Bei Duplex-Leitungen sollte man mit einem Mindestmaß von 25 mm rechnen.

Dosen-Anschluss:

Alles klar – soweit, so gut: Die Leitungen verlaufen also Sternförmig vom zentralen Sammelpunkt in einzelne Räume. Aber was dann? Nun, dann wird die Leitung in der Dose verdrahtet. Und wie geht das?

Da gibt es wiederum verschiedene Möglichkeiten – die gebräuchlichsten sind: LSA-Anschluss oder Modular-Anschluss:

LSA

Bei der LSA-Variante (auch Schneidklemme genannt) werden die Adern der Leitung in eine (meist monolithische) Fassung mit einer Spezial-Anlege-Zange aufgelegt. Dabei drückt die Zange die Ader in die Schneidefassung und trennt gleichzeitig überstehende Draht-Enden ab. Größte Nachteile der Methode: Man benötigt spezielles Werkzeug und muss häufig auf die Schirmung der Einzeladern innerhalb der Dose verzichten.

Module

Eine alternative Möglichkeiten bietet die modulare Anschlussweise. Hierbei werden die Adern jeder Leitung (ohne Spezial-Werkzeug) jeweils in ein kleines Gehäuse aufgelegt und befestigt. Nicht selten werden diese Module als „Keystone„-Module bezeichnet. Die Module werden dann in eine Halterung eingehängt und ähnlich der LSA-Dose mit einer Abdeckung versehen. Der modulare Aufbau bietet den Vorteil der quasi werkzeug-losen Verdrahtung an – außerdem wird die Schirmung der Netzwerkleitung bis an das Modul geführt und ist daher durchgehend wirksam.

Preis-Vergleich

Das Angebot an LSA-Dosen sowie Netzwerk-Modulen ist reichhaltig. Je nach Schalterprogramm müssen ggf. passende Halterungen bzw. Abdeckungen beschafft werden.
Wir vergleichen für uns beispielhaft die Kosten für jeweils fünf verschiedene Komplett-Aufbauten: Zwei davon sind LSA, der Rest modular.

LSA Rutenbeck

Bez Kosten EAN
Rutenbeck UAE-Anschlussdose Cat.6/ClassE-8/8 Up0 138104070 5,38 € 4043921660188
Berker 14098989 Zentralstück für UAE Steckdose 2fach polarweiß, glänzend Berker S.1/B.3/B.7 2,50 € 4011334280538
Berker Rahmen 1f. pws/gl senkrecht/waagerecht 10118989 1,20 € 4011334276838
Kaiser UP-Geräte-Verbindungsdose M20/M25 m.Schrauben 1556-04 0,50 € 4013456359017
LSA Berker

Bez Kosten EAN
Berker 4587 UAE-Steckdose 8/8-polig Cat 6A geschirmt 15,00 € 4011334256397
Berker 14098989 Zentralstück für UAE Steckdose 2fach polarweiß, glänzend Berker S.1/B.3/B.7 2,50 € 4011334280538
Berker Rahmen 1f. pws/gl senkrecht/waagerecht 10118989 1,20 € 4011334276838
Kaiser UP-Geräte-Verbindungsdose M20/M25 m.Schrauben 1556-04 0,50 € 4013456359017
Modul Rutenbeck

Modul Rutenbeck (Rot)

Bez Kosten EAN
Rutenbeck Universalmodul UM-Cat.6A iso A 8,40 € 4043921655191
Berker Tragplatte mit roter Aufnahme 454101 3,20 € 4011334152736
Berker Rahmen 1f. pws/gl senkrecht/waagerecht 10118989 1,20 € 4011334276838
Berker Zentralstück m.Beschriftungsfeld 11818989 4,80 € 4011334279082
Kaiser UP-Geräte-Verbindungsdose M20/M25 m.Schrauben 1556-04 0,50 € 4013456359017
Modul Telegärtner

Bez Kosten EAN
Telegärtner Modulaufnahme AMJ-S 2fach UP/0flex Cat6A T568A J00020A0510 12,30 € 4018359401467
Berker 14098989 Zentralstück für UAE Steckdose 2fach polarweiß, glänzend Berker S.1/B.3/B.7 2,50 € 4011334280538
Berker Rahmen 1f. pws/gl senkrecht/waagerecht 10118989 1,20 € 4011334276838
Kaiser UP-Geräte-Verbindungsdose M20/M25 m.Schrauben 1556-04 0,50 € 4013456359017

Summa-Summarum bietet Rutenbeck in beiden Kategorien für uns die günstigste Variante. Für eure individuelle Aufstellung kann das natürlich ganz anders ausfallen!

Tipp

Es ist ratsam sich früh mit den Leitung-Anschluss-Varianten zu beschäftigen. Die Entscheidung über die finale Verdrahtungs-Methode kann sowohl Konsequenzen für die Leitungsführung (von oben / von unten) als auch über die (Unterputz-/Hohlwand)-Dose (tiefe Dose bzw. Geräteverbindungsdose, etc.) haben!

Soweit zur theoretischen Überlegung. Das nächste mal beschäftigen wir uns mit der praktischen Umsetzung – insbesondere: Welches Werkzeug und Material benötigt man für die Verkabelung? Wie verläuft das Ganze in der Praxis?

Bis bald! 🙂

Comments (4)

  1. Christian Montag, 24UTCMon, 24 Oct 2016 20:41:58 +0000 24. Oktober 2016 at 20:41 Antworten

    Sehr interessanter Artikel! Bin schon auf den Praxis-Teil gespannt. 🙂

    1. smarthomebau.de Montag, 24UTCMon, 24 Oct 2016 21:03:09 +0000 24. Oktober 2016 at 21:03 Antworten

      Danke, Christian! Der Praxis-Teil ist für Ende November geplant. Bleibt uns gewogen! 🙂

  2. Netzwerkleitung verlegen: Schritt-für-Schritt-Anleitung | smarthomebau.de Montag, 19UTCMon, 19 Dec 2016 10:33:12 +0000 19. Dezember 2016 at 10:33 Antworten

    […] Mal sprachen wir über die theoretischen Grundlagen der Netzwerk-Vekabelung (LAN). Wie versprochen beschäftigen wir uns heute weiterführend mit der praktischen Umsetzung einer […]

  3. Heim-LAN: Netzwerkschrank, Switch, Patchpanel & Co. | smarthomebau.de Freitag, 21UTCFri, 21 Jul 2017 14:21:23 +0000 21. Juli 2017 at 14:21 Antworten

    […] ist doch größer, als man es anfangs einschätzt: Nachdem wir die Netzwerkverkabelung geplant und verlegt haben, kommt nun der spaßige Teil – Die Zusammenführung aller Komponenten im […]

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