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Netzwerkleitung verlegen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

*Beitragsbild: Ethernet by Lemon Liu from the Noun Project (Lizenz: CC, Farbe angepasst)


I’m having trouble in believing,
And I just started seeing,
Light at the beginning of the tunnel, but he tells me that I’m dreaming,
When he talks I hear his ghosts, every word they say to me,
I just pray the wires aren’t coming.

Wires, The Neighbourhood

Letzes Mal sprachen wir über die theoretischen Grundlagen der Netzwerk-Vekabelung (LAN). Wie versprochen beschäftigen wir uns heute weiterführend mit der praktischen Umsetzung einer strukturierten Netzwerk-Verlegung.

Was brauchen wir dazu? Hier kurz und prägnant in Form einer „Checkliste“:

Vorüberlegungen

Verlegeplan

Erst denken, dann handeln. Auch hier gilt die Devise unverändert: Wir brauchen einen Plan, einen sog. Verlegeplan:

Ein Verlegeplan enthält neben dem Grundriss des Gebäudes alle Netzwerkdosen sowie die möglichst exakte Leitungsführung zu den Selbigen. Im Plan markiert ihr zusätzlich evtl. Wandurchbohrungen bzw. Deckendurchbrüche. Das ist später bei den vorbereitenden Tätigkeiten wichtig.

Bitte beachtet die maximale Höhe des Fussbodenaufbaus. Nicht selten dürfen sich bestimmte Leitungsrohre nicht kreuzen (Lüftung, Sanitär, etc.) – das schränkt den Verlauf der Kabel unter Umständen ein!

Aussenbereiche, Garage, Dachboden, etc. ebenfalls nicht vergessen…


Achtung – Installationszonen beachten!

Bitte bedenkt bei der Leitungsführung, dass vorgeschriebene Installationszonen existieren, innerhalb derer alle Leitungen verlegt werden müssen (DIN 18015-3)!

Hierbei müssen die Leitungen z.B. mindestens 20 cm von der Wand, bzw. 15 cm von der Türzarge Abstand halten. Dies sorgt u. a. dafür, dass bei weiteren Arbeiten die Leitungen nicht verletzt werden und der (Heiz-)Estrich eine gute Abstützung hat und somit weniger anfällig für Rissbildungen ist.

Werkzeug

Ohne Werkzeug läuft garnichts – als Mindestausstattung benötigt ihr unter Anderem folgende Gadgets:

Zur VORBEREITUNG:

  • Bohrkrone 82 mm mit Aufnahme und Zentrierbohrer: Die 82er-Krone schafft mit zusätzlichem Raum um die 68er-Dose den notwendigen Arbeits- bzw. Verbund-Bereich.
  • Elektriker-Wasserwaage mit Bohrschablone + Bleistift: Sehr nützlich für exakte Abstände der einzelnen Dosen.
  • Mauernutfräse + (Sauger/Staubabscheider): Nutfräse ist unverzichtbar – der Sauger ist i. d. R. mehr im Weg und ist sehr unhandlich. Achtung: Bestimmte Steinsorten/Mauerwerksarten (z. B. Kalksandstein, Beton, usw.) sind zu hart für einge Fräsen!
  • Wasser-(Kanister) + Elektriker-Gips + Spachtel: Zum Setzen von Mehrfachdosen – alternativ Klemm-Fix verwenden.
  • Blitzcement: In der Regel wird in Bad-/Nass-Bereichen kein Gips (Aufweichungsgefahr), sondern Zement(-mörtel) zur Befestigung der Dosen/Rohre verwendet.
  • UP-Dosen tief (68 mm): Tiefe Dosen bieten mehr Raum zum Verdrahten und kosten kaum mehr als normale Dosen. Im Aussenbereich ggf. winddichte Variante verwenden.
  • Kaiser „Klemm-Fix“: Zum Fixieren von Einzel-Dosen statt Gips – nicht bei jedem Mauerwerk (z. B. Poroton) geeignet!
  • Stemm-Eisen/Flachmeissel + Hammer: Zum Entfernen von Mauerwerksresten und Ähnlichem.
  • Bohrhammer mit Bohrer: Für Wanddurchbohrungen (Bohrer-Größe: Durchmesser –> Installationsrohr + 2 mm)

Bei der VERLEGUNG:

Verlegen

So gehen wir beim Verlegen grundsätzlich vor:

Notwendige Vorabeiten

  1. Dosen einzeichen. (Meterriss beachten! Siehe Bild unten.)
  2. Bohrlöcher mit Schablone (Elektriker-Wasserwaage) setzen.
  3. Dosenlöcher bohren.
  4. Leitungschlitze fräsen (Tiefe und Breite beachten): Möglichst immer senkrecht, wenig waagrecht, niemals diagonal!
  5. Bohr/Fräsrückstände entfernen.
  6. UP-Dosen-Leitungsdurchführung herausbrechen (Sollbruchstelle).
  7. UP-Dosen (Mehrfach-Dosen) eingipsen/einzementieren.
  8. Mauerdurchbohrungen vorbereiten.
  9. Verlegebereich aufräumen/freihalten!

Frisch angerührter Elektriker-Gips wird meist innerhalb weniger Minuten Stein-hart und lässt sich dann nicht mehr einsetzen. Bei Vielen ist der Werkstoff deshalb unbeliebt. Die Sekunden-schnelle Bindung ist allerdings sehr wohl beabsichtigt – der Elektriker will ja nicht bis morgen auf den Gips warten…

Wenn man allerdings einige Tipps bei der Verarbeitung beachtet, ist es garnicht so schwierig damit umzugehen:

  1. Grundsätzlich nur Kleinmengen verarbeiten (etwa eine Rühr-Schüssel voll)!
  2. Zuerst den trockenen Gips in die Schüssel schütten.
  3. Anschließend zügig Wasser einfüllen, sodass die Oberfläche etwa ein Zentimeter mit Waser bedeckt ist.
  4. Nun darauf warten, dass das Wasser in den Gips zieht – „einsumpft“. In der Regel dauert dies etwa eine halbe Minute.
  5. Wenn keine Bläßchen mehr zu sehen sind, mit einem dünnen Spachtel rasch umrühren – ggf. etwas Wasser hinzugeben.
  6. Beim Rühren darauf achten, dass das Material von Wänden und Boden der Schüssel ebenfalls eingerührt wird.
  7. Sobald der Gips eine Griespudding-artige Konsistenz hat – zügig verarbeiten!
  8. Benetzen der Dosenlöcher mit Wasser zögert die Bindung etwas hinaus und vereinfacht die Verarbeitung.

Leitungen verlegen

Sobald alle vorbereitenden Tätigkeiten (vom Vortag) abgeschlossen sind, kann die Verlegung starten! Ein bis zwei Helfer sind immer willkommen.

  1. Installationsrohr abmessen, abschneiden.
  2. Leitung durchziehen und mit Zugabe abschneiden.
  3. Leitungsenden beschriften!
  4. Installationsrohr befestigen.
  5. Einzeldosen mit Kaiser „Klemm-Fix“ befestigen.
  6. Leitungsende in Dose einrollen (ca. 15 – 20 cm).
  7. Signaldeckel setzen.
  8. Checkliste/Verlegeplan abgleichen.
  9. Dokumentieren (Video + Photo) mit Zollstock-Maßangaben!

FAZIT

Wie ihr seht, bedeutet die Netzwerkverkabelung eine Menge Arbeit… Auch bei uns war das nicht anders. Sicherlich kann man mit der Eigenleistung etwas Geld einsparen – man halst sich aber dennoch eine Menge Aufwand auf: Informieren, Planen, Werkzeug und Material besorgen, Helfer organisieren, Vorbereiten & Verlegen. Das darf man alles nicht unterschätzen…

Es war eine gute Erfahrung für uns aber nächstes Mal werden wir wohl auf den Spezialisten zugreifen! 🙂

Nächste Schritte

Wie geht es nun weiter? Jetzt wo die Leitungen verlegt sind?

Nun – folgende Dinge wollen jetzt auch noch organisiert werden:

  • Netzwerk-Schrank
  • Patchpanel
  • Switch (PoE?)
  • Aufnahme-Module + Abdeckung
  • Patch-Kabel

Es ist und bleibt weiterhin ungeheuer spannend! Wir werden berichten.

Und was macht ihr währendessen?
Schon Lust bekommen das eigene LAN aufzubauen?
Fragen?

Immer her mit eurem Feedback!

Comments (3)

  1. Simon Samstag, 18UTCSat, 18 Mar 2017 11:58:40 +0000 18. März 2017 at 11:58 Antworten

    Danke für den super Beitrag. Wir sind derzeit noch in der Planungsphase kurz vor dem Bauantrag und werden wohl im Herbst anfangen. LAN und SAT wollte ich auf jeden Fall selber machen und vermutlich auch die Leerrohre und Kabel für Elektro verlegen. Daher ist dein Artikel echt super!

    Allerdings habe ich dazu noch ein paar Fragen, ich hoffe du kannst mir helfen:
    1) Würdest du empfehlen generell Leerrohre zu verwenden oder eher darauf verzichten und die Kabel direkt in der Wand und im Boden zu verlegen? Oder eine Kombination, d.h. Kabel ohne Leerrohre verlegen und dazu noch Leerrohre als Reserve?
    2) Würdest du in die Decke und in den Boden legen oder generell alles über den Boden? Habe gesehen, dass einige z.B. Taster, Lichtauslässe und Buskabel sowie Strom für den Rolladenmotor über die Decke fahren und alle Steckdosen, LAN und Sat über den Boden.
    3) Du ziehst die Kabel immer vorher ins Leerrohr ein, richtig? Geht sicher einfacher als zuerst das Leerrohr zu verlegen und dann nachträglich das Kabel durchzuziehen.
    4) Ich selbst möchte eigentlich nicht zu jeder Steckdose ein eigenes Kabel legen da es ansonsten deutlich zu viel wird. Wollte ggf. ein 5×1,5mm oder gar ein 7×1,5mm Kabel zu jedem Raum legen und dann alle Steckdosen dort durchschleifen. Dann kann ich im Nachhinein noch einige Steckdosen schaltbar machen wenn benötigt. Wie machst du das, fährst du jede Steckdose separat an?

    1. smarthomebau.de Montag, 20UTCMon, 20 Mar 2017 11:11:43 +0000 20. März 2017 at 11:11 Antworten

      Servus Simon!

      Zu deinen Fragen:

      1.: Datenleitungen müssen (meines Wissens nach) in Rohren verlegt werden bzw. Abstand zu Strom-Leitungen halten. Ganz auf Leerrohre würde ich nicht verzichten – vor allem auf dem Boden müssen die Leitungen geschützt sein. Rohre als Reserve sind immer gut! Ganz davon abgesehen: Die Leerrohre oder Leitungen selbst sind nicht der treibende Preisfaktor – also nicht zwanghaft versuchen an der falschen Stelle zu sparen…

      2.: Decke oder Boden? Wenn keine Einschränken existieren (Kreuzungen mit Lüftungs-/Sanitärkanälen, Estrich-Höhenaufbau, etc…) – so verlegen wie es für dich am einfachsten ist!

      3.: Kommt allein auf die Gesamt-Dicke der Leitungen bzw. den Durchmesser des Rohrs. Richtiges Werkzeug vorausgesetzt funktionieren beide Methoden. Wenn das Rohr zu eng ist, funktioniert keine der beiden Methoden 🙂

      4.: Nein, wir fahren natürlich nicht jede Steckdose separat mit einem einzelnen Kabel an – das würde den Rahmen im Verteiler auch irgendwann sprengen. Wie immer im Leben gilt es auf eine gewisse Ausgewogenheit aus Komfort und Flexibilität zu achten. Nicht jede Steckdose muss auch schaltbar sein… Mit 7×1,5 Raum/ bzw. Bereichs-weise Durchschleifen kann man sicherlich wenig falsch machen. Durch die Adernaufteilung kann man dann einzelne Steckdosen schaltbar machen.

      Weiterhin viel Erfolg! 🙂

  2. Heim-LAN: Netzwerkschrank, Switch, Patchpanel & Co. | smarthomebau.de Samstag, 22UTCSat, 22 Jul 2017 19:03:41 +0000 22. Juli 2017 at 19:03 Antworten

    […] ist doch größer, als man es anfangs einschätzt: Nachdem wir die Netzwerkverkabelung geplant und verlegt haben, kommt nun der spaßige Teil – Die Zusammenführung aller Komponenten im […]

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